Clinton bei O’Reilly

Ganz ehrlich gesagt verkommt der Streit zwischen Obama und Clinton immer mehr zur Farce, ähnelt zu sehr der Schweizer Politik: Anstelle von Sachthemen, die wirklich eine Diskussion benötigen, die Lösungen erfordern, reitet man auf lächerlichen wenigen Äusserungen herum, ergötzt sich an Obamas ehemaligen Geistlichen Jeremiah Wright, dessen Äusserungen das Herz eines jeden Patrioten verletzen. Letzlich läuft es wohl auch darauf hinaus, wer die weissere Weste hat, wer sympathischer erscheint, denn in der Sachpolitik sind die Unterschiede bekanntlich minim – gerade deshalb dreschen Obama und Clinton lieber mit andern Themen aufeinander ein.

Wer sich eingehend mit dem britischen Evolutionsbiologen und Atheisten Richard Dawkins auseinandergesetzt hat, wird wohl auch das legendäre Gespräch mit Bill O’Reilly kennen (http://www.youtube.com/watch?v=wECRvNRquvI). Genau dieser O’Reilly hatte nun das Glück, ein längeres persönliches Gespräch mit Senatorin Clinton zu verwirklichen. Gar allzu zahm gab sich Bill am Anfang, kommt dann aber nicht umhin, seinem Gegenüber bei jeder Gelegenheit ins Wort zu fallen.

Interessant an diesem Interview ist, dass tatsächlich viele eigentliche Probleme der USA thematisiert werden; allen voran geht natürlich der Ölmarkt. So zeigt sich dann die wahre Clinton, ihres Zeichen nicht viel weniger ignorant und naiv als Bush (dass dies bei Obama nicht der Fall ist, darauf sei hier nicht bestanden): Als Nation mit dem grössten Ölverbrauch der Welt, aber minimen Vorkommnissen auf eigenem Grund und Boden ist jeder Präsident der USA in einer verzwickten Lage. Hören wir uns aber an, was Clinton zur den amerikanischen Ölfirmen sagt:

„I think there’s plenty of blame to go round, we have not done what we should have done [O’Reilly unterbricht sie], all of us: Consumers, drivers, political officials, the oil companies, you name it! We’re not acting like Americans, Bill. We’re not in charge. And I want us put back in charge.“

Hier fallen gleich mehrere Dinge auf. Einerseits ist es das „Sich-wie-ein-Amerikaner-verhalten“. In unseren Gefilden wäre das wohl als der tägliche Abstecher zu McDonalds und der Verzicht auf das Treiben von Sport verstanden worden, Clinton meint aber aller Wahrscheinlichkeit nach einmal mehr den Patriotismus, aus dem der Anspruch auf Kontrolle über die gesamte Welt resultiert („We’re not in charge. And I want us put back in charge.“). Nebst einer kleinen Bekräftigung ihres Willens, Präsidentin zu werden, wird hier klar, für wen sie hier spricht: Es ist eine einfache, nicht hochgebildete Bevölkerung, die auf Aussagen wie solche wahrscheinlich bekräftigend mit dem Kopf nickt. Mit der Prämisse eines Weltanspruchs der USA behauptet Clinton schliesslich auch:

„There’s no basis for them [the oil companies] to have these huge profits. They’re not inventing anything new…“ – O’Reilly: „So what are you going to do, take twenty percent of their profits away from them?“ – „You set a baseline, and above that baseline, you begin to tax their profits!“

Schön und gut. Wie O’Reilly aber unmittelbar bemerkt, muss der Kongress dies auch goutieren; und wir wissen alle, wie stark Lobbyismus in den USA verbreitet ist – eine Branche mit glänzenden Gewinnen wird wohl kaum ein Problem haben, den Kongress zu überzeugen. Auf diese Weise kann Clinton also nicht erfolgreich sein! Des weiteren reiht sie auch die OPEC unter ihre Feinde und will die Kontrolle über sie vergrössern („I’m going to hold them accountable.“).

Let’s face it, wie unsere amerikanischen Freunde sagen: Auch die USA sind nur ein Spielball der OPEC (ein grosser unberechenbarer, allerdings), die OPEC selbst wartet nur darauf, ein Argument für eine weitere Erhöhung des Ölpreises zu haben. Was also tun die Amerikaner? (Achtung, jetzt wirds lustig!)

„We’ve got to change the way we behave, the way we drive. We have not paid attention in 35 years!“

Na wenn das nicht mal ein konstruktiver Lösungsansatz ist. Wenn der geschätzte Leser sich die Mühe macht, das Video anzusehen, so wird es schnell auffällig, wie viel über die Umstände und wie wenig über die wahren Probleme gesprochen wird. Leider hilft O’Reilly Clintons Taktik noch, indem er die eigentlich gar nicht beantwortete Frage zur Ölsituation mit „As long as you understand that I’m angry and so is everybody watching here, because both parties [d.h. Demokraten und Republikaner] sold us out.“

Fazit der Analyse lediglich eines Bruchteils des Gesprächs: Clinton ist rhetorisch auf der Höhe, weiss, um wessen Stimmen sie buhlen muss, und vor allem weiss sie, dass ein durchschnittlicher Amerikaner sich keinen Deut um die wahren Probleme und Hintergründe schert.
Abschliessend muss noch gesagt sein, dass dies ein Pro-Obama-Beitrag sei: Nein! Ziel dieses Artikels war es, für einmal nur EINEN der Kandidaten (ich verzichte in der Tradition des Amerikanischen Englisch jetzt mal auf einen feminine Form – Clinton wäre wohl ganz glücklich darüber….) zu analysieren, und zwar ohne den Profilierungsdruck aufgrund der Anwesenheit des Gegenkandidaten.

Die Videos der Sendung findet man unter folgenden Links:

Part 1 (Ölproblem, Oil companies, Gesundheitswesen): http://www.youtube.com/watch?v=2ISWUXT9V6g

Part 2 (Zur Frage der Besteuerung der Mittelklasse und Reichen, Unterschiede zu Obama, die Frage zur Fairness der US-Fernsehsender): http://www.youtube.com/watch?v=L9X_nnEJmHM

Part 3 (Der „War On Terror“, Krieg in Afghanistan und Foltermethoden):

Part 4: http://www.youtube.com/watch?v=AJM97PXRp6Y

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~ von ieggel - 1. Mai 2008.

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