Free Tibet? Free Politics?

Wie wir alle den Bildern der heutigen Fackelentzündung in Griechenland entnehmen dürfen, wurden die Olympischen Spiele einmal mehr zum Spielball der Politik. Tibetische Protestierende werden brutal festgenommen, eine idealistisch-kitschige Vorstellung des antiken Griechenland wird währenddessen für die Fernsehkameras zelebriert. Irgendwie konnte ich nicht umhin und fühlte mich an die Charakterköpfe aus dem letztjährigen Hollywoodfilm „300“ erinnert. Nicht diese Traditionen sollen uns aber jetzt beschäftigen, sondern vielmehr die Bedeutung der Olympischen Spiele für die Politik.Man könnte fast meinen, das Prinzip der Laizität – der Trennung von Kirche und Staat – müsste doch auch für Sport und Staat gelten. Bislang war dies allerdings noch nie wirklich zur Diskussion gestanden. Erinnern wir uns aber an jene Zeit vor dem Mauerfall; der Boykott der Olympischen Spiele war bereits damals ein mächtiges politisches Druckmittel. Ja, selbst China selbst hat die Olympischen Spiele bereits mehrmals boykottiert. Sowohl in der Vergangenheit als auch beim aktuellen Konflikt ist es doch so, dass politische Vorstellungen auf dieses Sportereignis projeziert werden, ein scheinbarer Zusammenhang hergestellt wird zwischen den Sportlern Chinas und ihrem Land.Der Zusammenhang ist allerdings nicht völlig aus der Luft gegriffen, das muss gesagt sein! Unser Staatendenken und die patriotische Zugehörigkeit verpflichten offenbar auch, sie sind nicht bloss erfreuliche Tatsachen. China als Problemstaat oder China als Olympia-Gastland?Dem durchschnittlichen Protestierenden und dem durchschnittlichen Chinesen ist das offenbar wurscht. Dem IOC aber nicht. Diese geben sich alle Mühe, Sport und Politik geflissentlich zu trennen, die Verantwortung für Tibet von sich zu schieben.Aus rein wirtschaftlicher Perspektive und in der Hoffnung, dass die Spiele ein Erfolg werden, ist diese Position natürlich sinnvoll. Schliesslich ist es ja doch „nur“ Sport, der hier getrieben wird. Und stellen wir uns vor, was passieren würde, wenn sich das IOC gegen sein Gastland China wenden würde!? Die Solidarisierung Tibet gegenüber scheint also unmöglich, insofern dass die erfolgreiche Durchführung der Olympischen Spiele direkt mit diesem Konflikt zusammenhängt.Allerdings hat die Medallie eine Kehrseite (selten hat diese Metapher so gut gepasst wie hier, nicht?): Die internationale Gemeinschaft (was auch immer das sein mag) wird die ignorante Haltung des IOC mit Sicherheit nicht goutieren und fordern, dass das IOC für Tibet einsteht. Und eigentlich ist das ja auch der vernünftige Schritt – wie sonst kann China gezwungen werden, endlich etwas zu unternehmen, um die Situation zu verbessern, als wenn ein massiver Image-Boost gefährdet wird?Es ist Zeit für das IOC, endlich Position zu beziehen und die Macht, die es offenbar besitzt, weise auszuspielen – denn genauso wie beim Kosovo-Problem mit der Unabhängigkeit, wo auch Nichtstun etwas tun heisst, steht das Verhalten des IOC für eine ChinaFREUNDLICHE Position. Das kann wohl niemand leugnen…

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~ von ieggel - 24. März 2008.

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