„Gebet erhört: Äthiopierin ins Leben zurückgekehrt“

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Dieser Titel prangt stolz auf der jesus.ch Hauptseite über einem aktuellen Artikel. Ein Hohes Tier dieser Seite, Beat Baumann, kenne ich persönlich, da mein Vater Pfarrer ist. Ich erinnere mich daran, dass ich ihn vor ca. 7 Jahren einmal gefragt habe, weshalb denn Got heute keine Wunder mehr wirke. Da antwortete er: „Natürlich wirkt Gott noch heute Wunder! Letzthin wurde in Afrika (welcher Zufall!) einer von einem Car voller Christen überfahren. Der war nur noch „Müesli“. Dann stiegen die Christen aus und beteten für ihn und da stand er wieder auf.“ „Und das stimmt wirklich?“ Fragte ich. „Oh ja“ – und ich glaubte es. Wie konnte ich auch anders? Niemals wurde ich dazu angeleitet, geistig selbst Gehen zu lernen, ich kroch quasi noch auf dem kindlichen Erkenntnisboden herum. Glücklicherweise bin ich mir heute bewusst, dass es keinerlei solche „übernatürliche“ Phänomene gibt oder je gegeben hat, wie das David Hume auf gedanklicher, und James Randi auf praktischer Ebene mit seiner 1-Million-Dollar-Challenge für jemanden, der unter kontrollierten Bedingungen etwas „Übernatürliches“ nachweist, hervorragend gezeigt haben.
Erschreckenderweise Ignorieren gläubige Menschen solche Gedanken und leben weiter in ihrer wundersamen Traumwelt. Aber wirklich schlimm sind diejenigen, die offensichtlich vorsätzlich, und im Wissen um die Falschheit der Information „Wunder“ erfinden, die perfekt in ihr Glaubenssystem passen, diese dann inszenieren und sogar multidmedial verbreiten, wahrscheinlich mit der Absicht, damit andere Seelen vor der ewigen Verdammnis zu retten.
Ein Paradebeispiel dafür ist die Quelle der auf jesus.ch verbreiteten Falschmeldung: http://yourchristianmusicfm.imeem.com/blogs/2008/02/20/hM6XlyNP/ethiopian_woman_raised_from_the_dead_after_12_hourstells_about_heaven
Ziehen Sie sich mal dieses Video rein. Eine bekehrte Christin, ehemalige Muslimin, ist krank (an welcher Krankheit sie leidet, lässt sich aus dem Video nicht entnehmen), ist dann für 12 Stunden „tot“ (was das heisst, wird nicht genauer spezifiziert) und wird dann wieder auferweckt von einem Prediger, dem an jenem Morgen von „Gott“ gesagt wurde, er werde an jenem Tag eine tote auferwecken. Dazu wird noch ausführlich beschriben, wie sie während der Zeit als sie „tot“ war, einen Bekannten wieder erkannt habe und wie schön es dort war etc. Ausserdem stellt sie zum Schluss des Videos fest: „now i have seen, when a christian dies, he goes to a better place and his body goes back to dust. For a non-believer that is a place of sadness but when a christian dies, he goes to a place where everything is good, where everything is very very happy“ Also weil sie angeblich solche schönen Sachen gesehen hat, kann die ein Nichtgläubiger nicht erleben, aha, so ist das! Wer Glauben hat, braucht offenbar keine Logik, vor diskriminierung gegenüber anders- (also falsch-) Gläubigen oder Nichtgläubigen, wird aber nicht zurückgeschreckt. Es wird doch tatsächlich ohne jegliche Beweislage behauptet, und als Wahrheit dargestellt, dass ein Ungläubiger nach dem Tod zu einem „place of sadness“ kommt. Wie arrogant, wie diskriminierend, wie naiv, wie unbewiesen ist diese Aussage?
Das ganze Video ist mit einer amerikanischen Synchronstimme unterlegt und die Produktion dieses Filmmaterials ist für einen Laien unmöglich, da wurde also offensichtlich Geld reingebuttert, wahrscheinlich von amerikanischen Fundamentalisten, die dann dieses Video zu bekehrungszwecken benützen.
Die einzigen „Beweise“ die vorgebracht werden, sind die „Zeugnisse“ der betroffenen Frau und des heldenhaften Predigers. Also ehrlich, seht ihr nicht, dass man IRGENDETWAS, völlig unabhängig von dessen Wahrheitsgehalt, mit 2 „Zeugenberichten“ in einem Video „beweisen“ kann?
Aber das wirklich traurige daran ist, dass man noch heute „Wunder“ erfinden und wirksam verbreiten kann und Menschen dies dann als Wahrheit annehmen. Eigentlich zeigt dies eindrücklich, wie Glaube entsteht und erhalten wird: Jemand hat, aus welchem Grund auch immer, Geschehnisse erfunden, beeindruckend (damals war ein Schriftstück oder eine gekonnte mündliche Überlieferung sehr beeindruckend) inszeniert, und viele Leute haben es geglaubt. Gottseidank sind es heute dank des häufigeren Austritts aus der selbstverschuldeten Unmündigkeit weniger als dazumals. Aber wer aus dieser selbstverschuldeten Unmündigkeit offensichtlich noch nicht ausgetreten ist, und diesem Video irgendwelchen Wahrheitsgehalt zuspricht, sollte dringend mal das Gehen lernen.
Und wenn euch irgendwann irgendmal irgendwas von Wundern erzählen will, sagt einfach: „Ich war vor einem Monat nach einem Snowboardunfall klinisch Tot, dann trat meine Seele aus dem Körper aus, und ich sah Thor. Er bestrafte alle mit ewiger Verdammnis, die nicht an ihn glaubten. Glücklicherweise wurde ich dann durch ein Gebet an den Teufel von einem Satanistenprediger, der gerade vorüberging wieder auferweckt!“ „Und das stimmt wirklich?“ „Oh ja“

shalom

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~ von hilt - 23. März 2008.

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